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NRW Jusos – Magazin

24. September 2026

Hin zum Wir

Allein erdrücken uns Krisen, gemeinsam räumen wir sie ab. Warum das „Wir“ die junge Generation und NRW wieder auf Kurs bringt:

Morgen kann besser werden als heute. Was aber bedeutet es, wenn junge Menschen immer weniger Vertrauen haben in die Welt und besonders: in ihre Zukunft? Wir sind mit einer Krise nach der nächsten groß geworden. Pandemie. Klimakrise. Krieg. Inflation. Rechtsextreme Parteien werden stärker. Gleichzeitig sind die Reallöhne über Jahre kaum vorangekommen.

Während viele versuchen, irgendwie klarzukommen, kommt aus der Bundesregierung ein anderer Sound. Friedrich Merz findet, wir müssten mehr arbeiten. Andere erklären uns, wir sollten dankbarer sein. Dabei wollen wir nichts Abgehobenes: eine bezahlbare Wohnung, einen Job zum Leben, Zeit für Freund*innen und Raum für eigene Pläne. Wer vor allem darüber nachdenkt, wie er über die Runden kommt, hat weniger Platz für große Pläne.

Dazu kommt die Unsicherheit bei Arbeit und Ausbildung. Viele Unternehmen bauen Stellen ab. Niemand weiß genau, wie stark Künstliche Intelligenz einzelne Berufe verändern wird. Wer heute eine Ausbildung oder ein Studium beginnt, fragt sich auch: Was ist mein Abschluss in ein paar Jahren noch wert? Finde ich danach einen sicheren Job?

Kein Wunder, dass sich dabei auch ein neuer Kulturpessimismus breitmacht. Das Gefühl, dass es früher irgendwie besser war und von jetzt an eigentlich nur noch bergab gehen kann. Wenn daraus irgendwann die Überzeugung wird, dass sich sowieso nichts mehr zum Besseren verändern lässt, wird es gefährlich.

Wenn wir dieses Vertrauen zurückgewinnen wollen, müssen wir deshalb an zwei Stellen ansetzen. Junge Menschen brauchen erstens die Sicherheit, ihr eigenes Leben planen zu können. Und zweitens die Erfahrung, dass sie selbst etwas verändern können.

Zur Sicherheit gehört, dass Arbeit und Bildung echte Perspektiven eröffnen. Wir brauchen gute Arbeitsbedingungen statt längerer Arbeitszeiten und Abbau von Arbeitnehmer*innenrechten als Antwort auf wirtschaftliche Probleme. Und wir brauchen ein Bildungssystem, in dem Herkunft und Geldbeutel nicht darüber entscheiden, welche Chancen uns offen stehen.

Aber materielle Sicherheit allein reicht nicht. Junge Menschen müssen auch das Gefühl haben, ihre Zukunft mitgestalten zu können. Wir müssen wieder erleben: Was ich tue, macht einen Unterschied. Genau solche Erfahrungen fehlen aber oft. Viele von uns fühlen sich einsam. Gleichzeitig verschwinden Gemeinschaftsorte: Jugendzentren stehen unter Druck, Vereine kämpfen mit knappen Kassen, Treffpunkte schließen. Ausgehen muss man sich leisten können, vieles verlagert sich vor den Bildschirm. Wir sind ständig miteinander verbunden und erleben trotzdem seltener, wirklich gemeinsam etwas zu tun.

Auch politisch unterschreiben wir zwar eine Petition, teilen einen Beitrag, boykottieren ein Produkt oder posten selbst etwas. Das alles kann sinnvoll sein. Aber meistens tun wir es allein. Viel seltener erleben wir den Moment, in dem wir mit anderen zusammen etwas verändern. Dabei gibt es heute an vielen Stellen mehr Möglichkeiten, mitzureden. Bei der kommenden Landtagswahl darf auch meine 16-jährige Schwester wählen. Am Ende bleibt trotzdem bei Vielen der Eindruck: „Was ich mache, ändert doch sowieso nichts“.

Unsere Antwort ist das Wir

Die Antwort auf diesen Kulturpessimismus kann nicht sein, so zu tun, als wäre alles gut. Das ist es nicht. Als Jusos kämpfen wir schließlich gerade deshalb für eine „Gesellschaft der Freien und Gleichen“, weil wir uns mit den Verhältnissen nicht abfinden wollen.

Morgen kann besser werden als heute – wenn nicht jede*r für sich allein durchkommen muss, sondern wir uns gegenseitig den Rücken stärken und Zukunft gemeinsam gestalten. Genau das meinen wir mit „Hin zum Wir“.

Wir wollen das Wir selbst leben: gemeinsam Wahlkampf machen, uns über Wahlkreisgrenzen hinweg unterstützten, dort mit anpacken, wo Hilfe gebraucht wird, und neue Mitstreiter*innen unkompliziert ins Team holen.

Wir wollen Gemeinschaft wieder leichter machen und jungen Menschen mehr Luft für die eigene Zukunft geben: mit Vereinsgutscheinen, sicheren Jugendzentren und Treffpunkten,
finanzierten Klassen- und Jugendfahrten, kostenlosem Schulessen, kostenlosem ÖPNV U27, mehr psychosozialer Unterstützung und
einem Ausbildungsfonds für mehr Ausbildungsplätze.

Und wir wollen dieses Prinzip auf ganz NRW übertragen: Politik mit jungen Menschen statt über unsere Köpfe hinweg. Mit verbindlicher
Jugendbeteiligung und einem starken Kinder- und Jugendförderplan. Mit einer landeseigenen
Wohnungsbaugesellschaft. Mit einer Politik, die Arbeitnehmer*innen und Gewerkschaften wieder stärker an den Tisch holt. Und mit einer Demokratie, die sich gegen ihre Feinde wehrt und endlich die Prüfung eines AfD-Verbots auf den Weg bringt.

Unser Wir braucht dich.

Mit zwölf bin ich zur Jugendfeuerwehr gegangen. Bei den ersten Übungen wusste ich oft gar nicht so genau, was ich da eigentlich machen sollte. Dann kam eine Kameradin rüber, hat mir kurz gezeigt, wie der Handgriff funktioniert, und beim nächsten Mal ging es schon ein bisschen besser.

Irgendwann hat sich das gedreht. Plötzlich war ich selbst derjenige, der einem Neuen etwas erklärt, mit anpackt oder kurz rübergeht, wenn jemand nicht weiterkommt. So habe ich Gemeinschaft kennengelernt: Andere nehmen dich mit. Und irgendwann bist du selbst derjenige, der jemanden mitnimmt. Genauso war es nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch bei den Jusos.

Vielleicht ist mir dieses „Wir“ deshalb bis heute so wichtig. Es fühlt sich einfach anders an, ob du vor einem Problem stehst und denkst: Wie soll ich das allein schaffen? Oder ob jemand neben dir sagt: Komm, wir machen das zusammen.

Und da bin ich wieder bei der Frage vom Anfang. Die Mieten steigen. Jobs werden unsicherer. Rechtsextreme werden stärker. Natürlich kann man sich da fragen: Was soll ich allein schon daran ändern? An dieser Stelle passt mein Lieblingszitat aus Star Wars erstaunlich gut:

Allein schaffst du wahrscheinlich nicht genug. Aber wir sind nicht allein.

Und ich freue mich ehrlich gesagt genau auf das, was jetzt vor uns liegt: gemeinsam durch NRW ziehen, an Haustüren klingeln, mit Leuten auf Stadtfesten und Festivals ins Gespräch kommen, Aktionen ausprobieren, Videos drehen, diskutieren, lachen, auch mal improvisieren und am nächsten Morgen wieder los.

Nicht alles davon wird perfekt laufen. Muss es auch nicht. Aber es macht einen Unterschied, ob man nur darüber redet, was sich ändern müsste, oder ob wir gemeinsam versuchen, etwas zu verändern.

Bei der Juso-Landeskonferenz wollen wir dafür den Startpunkt setzen. Aus den vielen Ideen, Forderungen und Vorbereitungen soll unsere gemeinsame Kampagne werden. Also los: Hin zum Wir.

WAS KANNST DU JETZT KONKRET MACHEN:

Organisiert bei euch eine Veranstaltung zu dem Thema, das endlich mal angepackt werden muss. Dreht ein Video. Unterstützt die Kandidat* innen vor Ort oder nebenan. Steigt in den Zug und fahrt dahin, wo gerade Hände gebraucht werden. Und wenn ihr mich bei euch gebrauchen könnt: Ich komm vorbei!

Maxi Reeck (27) ist Spitzenkandidat der NRW Jusos zur Landtagswahl 2027. Mit fünf Geschwistern ist er mit ziemlich viel Trubel und ziemlich viel Miteinander groß geworden.


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