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NRW Jusos – Magazin

11. September 2026

I’m just a Dreamer who Dreams of Better Days

Träume sind politisch, sind sie doch nichts anderes als der Wunsch nach Zukunftsperspektiven. 

Es gibt viele Äußerungen des Bundeskanzlers, über die man sich zurecht lang und breit aufregen kann. Steht da doch ein unfassbar reicher Mann an der Spitze unseres Landes, der nicht erst seit seinem Amtsantritt keine Gelegenheit auslässt, davon zu faseln, dass alle den Gürtel jetzt mal enger schnallen müssten, nur um damit den Abbau von Sozialstaat und ein ständiges Nach-unten-treten auf Sozialhilfeempfänger*innen sowie migrantisierte und marginalisierte Menschen zu begründen.

Wie sollen wir bei dieser Regierung noch träumen können?

Verständlich ist es natürlich, wenn man als progressiv eingestellter Mensch deshalb dieser Tage lieber auf Durchzug schaltet, wenn der Kanzler sich mal wieder zu Wort meldet und versucht uns zu verkaufen, dass für den Reichtum Weniger alle anderen jetzt mal etwas leiser klagen und noch mehr schaffen sollten. Tatsache ist jedoch, dass sich hinter den Einlassungen eines Friedrich Merz aber eben nicht die Wirrungen irgendeines alten weißen Mannes verstecken, sondern eine ganze Politik.

Friedrich Merz wettert nicht nur, er ist auch nicht verwirrt. Dieser Mann weiß, was er tut und er labert nicht nur so vor sich hin, sondern richtet die Politik des ganzen Landes nach seinen Auffassungen aus.

Denn das unterscheidet einen Friedrich Merz nun einmal von dem nervigen Typen aus dem Familien- und Bekanntenkreis, der immer nur auf andere wettert: Friedrich Merz wettert nicht nur, er ist auch nicht verwirrt. Dieser Mann weiß, was er tut und er labert nicht nur so vor sich hin, sondern richtet die Politik des ganzen Landes nach seinen Auffassungen aus. Und sein Wort hat natürlich Gewicht. Ich möchte hier nicht alle Mitglieder der Union in einen Topf werfen, sondern vor allem daraufhin weisen, dass schon das Agendasetting eines Bundeskanzlers durch eine angeblich „unglückliche“ Formulierung, die politische Debatte im ganzen Land verändert. Statt über Vermögens- und Chancengerechtigkeit zu sprechen, spricht alle Welt nur von notwendigen Sparmaßnahmen. Statt von der Demokratie und den Angriffen auf sie zu sprechen, spricht alle Welt nur von Abschiebungen und Obergrenzen für Geflüchtete. Und das zeigt sich eben nicht nur auf Ebene der Bundesregierung, was ja schon schlimm genug wäre, sondern eben auch im schwarz-grünen Land NRW.

Uns als junger Generation geht es beschissen und zwar schon lange

Denn im bevölkerungsstärksten Bundesland gäbe es so viele Dinge zu klären, so viel zu verändern. Aber obwohl unser Ministerpräsident einem ganz anderen Flügel der Union zugerechnet wird als der Bundeskanzler, bedient er sich anscheinend gerne an der Merz’schen Strategie der Ablenkung. Nur halt nicht mit einer ähnlichen „Hau drauf“ Attitüde wie der Kanzler. So spricht Wüst gerne von der Abkehr pessimistischer Erzählungen und lädt ein zu „mehr Bock auf die Zukunft“. Immer wieder lässt sich Wüst auch zum Thema Chancengleichheit aus und untermalt das mit gut gelaunten Bildern von ihm und seinen Kindern. Schön für ihn, aber leider eben doch nur Ablenkung. Denn Fakt ist: Uns als junger Generation geht es beschissen und das ist keine Entwicklung der letzten Monate. Wir baden aus, was eine Politik eines Ministerpräsidenten Wüst zu feige ist, auszusprechen: Die Armut steigt, immer weniger junge Menschen in NRW haben einen Schulabschluss und immer häufiger heißt es nach einer Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz: Sorry, kein Angebot für dich. Die Wohnung ist zu teuer, das WG-Zimmer eh nur über gute Kontakte zu finden und der Bus fährt abends einfach nicht mehr.

Denn immer häufiger wissen junge Menschen eben nicht, wie sie sich Wohnung und Lebensmittel überhaupt noch finanzieren sollen. Und das hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit: Immer mehr junge Menschen leiden an psychischen Erkrankungen.

Wir“faulen jungen Menschen“? Die Zahlen sagen etwas anderes

Freund*innen besuchen oder einfach mal was nettes unternehmen? Sorry, nicht drin. Und diese Umstände sind kein diffuses Gefühl von uns als angeblich „faule junge Menschen“, die nicht mehr wüssten, was echte harte Arbeit bedeuten würde. So steigt die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen auf bis zu 77%. So viel wurde in dieser Alterskohorte im gesamten 21. Jahrtausend noch nicht gearbeitet. Dieses Mehr an Arbeit bedeutet aber eben häufig leider kein Mehr an Möglichkeiten. Denn immer häufiger wissen junge Menschen eben nicht, wie sie sich Wohnung und Lebensmittel überhaupt noch finanzieren sollen. Und das hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit: Immer mehr junge Menschen leiden an psychischen Erkrankungen.

Und in NRW? Da betet der Ministerpräsident uns was von Zukunftschancen vor, von denen wir wissen, dass sie sich immer öfter eben nicht für uns bewahrheiten werden. Und selbst wenn Wüst und seine Landesregierung ab und an mal anerkennen, dass es politisch Luft nach oben geben würde, dann ist da halt die Bundesebene gefragt. Und na klar, don’t get me wrong: Auf Bundesebene muss politisch echt einiges grundlegend anders laufen. Aber Tatsache ist eben auch, dass es ein Flächenland wie NRW überhaupt nicht nötig hätte immer nur an die Bundesebene zu appellieren, sondern entscheidende Zukunftsfragen unserer Generation hier vor Ort auf Landesebene zum Besseren gestalten könnte.

Unsere „Träume“ könnten sich erfüllen – wenn die Landesregierung nur will

Denn grundlegende Entlastungen, etwa durch den Wohnungsmarkt, könnten mit einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft und speziellen Programmen für Junges Wohnen nicht nur uns entlasten, sondern auch endlich die aberwitzige Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt zwischen Azubis, Studis und Familien mit Kindern beenden. Ein kostenfreier ÖPNV für alle jungen Menschen in NRW würde nicht nur gut für uns sein, damit wir uns endlich unabhängig von den eigenen Möglichkeiten der Brieftasche in die Schule, den Betrieb, in die Arztpraxis oder zum Treffen mit Freund*innen bewegen könnten, er würde auch Familien entlasten, die heute noch häufig alles, was sie haben, investieren um ihren Kindern Wege des täglichen Lebens zu finanzieren. Oder ein Umlagenfonds nach Bremer Vorbild, der nicht nur für mehr Ausbildungsplätze sorgen würde und damit uns entlastet und Zukunft schafft, sondern auch jene Betriebe und Arbeitgeber*innen fördert, die gerne ihrer Verantwortung nachkommen, ausbilden und damit die Fachkräfte von morgen sichern. Die Ideen ließen sich so weiterspinnen, aber sie haben immer eine Gemeinsamkeit: Sie sind landespolitisch lösbar, wenn man nur will.

Und wir sagen: Wir wollen! Weil wir endlich wieder Platz für Träume haben wollen, die wir uns im wahrsten Sinne des Wortes aktuell einfach immer weniger leisten können. Weil die grundlegenden Dinge des Alltags in NRW nicht funktionieren, dürfen und können wir als junge Generation nicht unsere Träume verwirklichen. Und deshalb ist es eben nicht pathetisch, sondern ein klarer politischer Auftrag für die Landtagswahl 2027: Wir träumen wieder!


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